Arbeiten im Kollektiv

Filmstill aus "Geschichte 2000"
Filmstill aus "Geschichte 2000"

Die unerfüllte Liebe eines Mannes beschäftigt Aleksey Lapin und Markus Zizenbacher auch in ihrer zweiten gemeinsamen Regie-Arbeit Geschichte 2000

Slavor ist ein Zerrissener, ein überreizter Drifter am Rand der Gesellschaft. Sein Biotop: Ein Shopping Center und dessen Siedlungs-Gebiet.
Die Figuren, Themen und (Un)Orte von Geschichte 2000 knüpfen nahtlos an an den Kurzfilm Rhythmus 59, der letztes Jahr auf der Diagonale seine Premiere feierte. Im Interview spricht Aleksey Lapin über das Arbeiten im Kollektiv und über recyceltes Filmmaterial.

Ihr habt zu dritt an Geschichte 2000 geschnitten. Wie habt ihr euch die Arbeit aufgeteilt?

AL: Geschichte 2000, wie auch unser letzter Film Rhythmus 59, ist die Arbeit eines Kollektivs. Die Aufteilung der kreativen Arbeit war ganz selbstverständlich auch im Schnitt. Daniel Rutz hat einen Rohschnitt gemacht und das Material im Schnittprogramm organisiert, noch bevor wir den Film komplett abgedreht hatten. Das hat mir und Markus Zizenbacher erlaubt, weiter mit dem Schnitt zu experimentieren. Wir haben uns regelmäßig getroffen und haben die Szenen und Takes ausgewählt, die wir für die Geschichte am interessantesten fanden. Die Arbeit war nicht kontinuierlich, da wir alle drei parallel an anderen Projekten arbeiteten. Aber mit der Zeit und mit viel Diskussionen konnten wir am Ende radikale Entscheidungen treffen und dem Werk seine endgültige Form geben.
Wir haben der Diagonale mit viel Verspätung eine gute Rohschnitt-Version abgegeben, die akzeptiert wurde. Das hat uns motiviert schneller zu schneiden, es hat aber noch ein wenig gedauert, bis wir endgültig mit dem Schnitt zufrieden waren.

AlekseyLapin

Aleksey Lapin (Foto: privat)

Hattet ihr für Geschichte 2000 ein fixes Drehbuch, wenn nein, wie gestaltet sich der Schnittprozess für dies Form des Erzählens?

AL: Geschichte 2000 hatte schon ein Drehbuch, das aber erst im Drehprozess zwischen den Drehblöcken in seiner definitiven Form entstanden ist. Außerdem gab es Szenen, die schon vor drei Jahren für Rhythmus 59 gedreht wurden und in Geschichte 2000 bewusst recycelt wurden. Ich glaube unsere „Methode“ basiert auf kontinuierlichem Experimentieren sowie ständiger Selbstkritik und natürlich einer tiefen Kenntnis des Materials und seines Potentials.

Welche großen Überraschungen gab es im Schnittprozess von GESCHICHTE 2000?

AL: Eine Überraschung war, dass wir die Szenen, die wir vor drei Jahren für Rhythmus 59 gedreht hatten, sehr gut für Geschichte 2000 einsetzen konnten. Die zweite Überraschung war die Tatsache, dass wir sechs von zwölf Drehtagen im Feinschnitt nicht mehr sehen. Es macht aber auch nichts, wir können dieses Material immer noch für ein zukünftiges Projekt verwenden.

Aleksey Lapin (geb. 1988 in Tomsk) absolvierte 2010 sein Bachelorstudium in Kunst und Design an der Freien Universität Bozen, seit 201 studiert er Regie an der Filmakademie Wien.