Kleine Glücksgefühle

Im Interview erzählt Regie-Student Florian Pochlatko welche Bedeutung Schnitt für ihn hat und warum er so gerne Musikvides gestaltet.

Mit seiner „Musik-Video-Trilogie“ Zebra Katz x Leila – God of Ghosts hat Florian Pochlatko letztes Jahr beim VIS – Vienna Independet Shorts den Preis für „Bestes Österreichisches Musikvideo“ gewonnen. Nun ist das Musikvideo auch in Graz bei der Diagonale auf großer Leinwand zu sehen.

Du studierst Regie, hast das Musikvideo aber selbst geschnitten. Provokant gefragt, vertraust du dein Material nur dir selbst an?

FP: Ich glaube, ich habe 90 Prozent meiner Arbeiten selbst geschnitten – gar nicht, weil ich niemandem vertraue. Aber ich sehe mich schon mehr als Filmemacher im Generellen und nicht nur als Regisseur, der sich um Inszenierung kümmert. Und im Filmemachen gibt es so unendlich viele Facetten, in die man sich vertiefen kann und die es zu erforschen gilt. Die Montage ist da ein so essentieller, andersartiger Teil der Arbeit, den ich einfach wahnsinnig spannend finde und der auch richtig Spass machen kann. Ähnlich wie diese kleinen Glücksgefühle, wenn etwas Unerwartetes in der Inszenierung passiert, das der ganzen Szene auf einmal Leben einhaucht, ist es auch im Schnitt ur schön und macht mich ur glücklich, wenn auf einmal Bilder gemeinsam einen seltsamen Sinn ergeben, den sie alleine für sich vielleicht gar nicht gehabt haben. Prinzipiell ist es aber immer super und wahnsinnig wichtig für mich kollaborativ zu arbeiten. Und ein Cutter, der einen anderen Blick auf das Material hat, anders involviert und frei von der persönlichen Befangenheit ist, seine eigene Weltanschauung und Philosophie in das Projekt mitnimmt, ist wirklich von unschätzbarem Wert.
Bei mir ist halt oft so richtig Feuer am Dach, und dann müssen Stunden um Stunden in Millimeterarbeit gesteckt werden, um den immer zu misslingen drohenden Film zu retten. Das tut sich oft keiner an…

Florian Pochlatko (Foto: Natascha Unkart)

Florian Pochlatko (Foto: Natascha Unkart)

Welche Freiheiten oder Einschränkungen hat man bei der Montage von Musikvideos im Gegensatz zu z.B. Spielfilmen?

FP: Ganz grob gesagt, ist es wirklich viel viel einfacher ein Musikvideo zu schneiden. Da gibt die Musik den Rhythmus, die Stimmung und die Färbung vor. Bei Spielfilmen ist das eine viel feingliedrigere Arbeit, erst den Grundton eines Filmes zu finden und mit ihm zu komponieren. Darum mache ich auch wahrscheinlich so gerne Musikvideos. Es fällt mir leichter, mich auf MusikerInnen einzulassen und eine gemeinsame Vision zu erarbeiten, als ganz alleine mit mir selbst zu sein und nur ausgehend vom eigenen Herzschlag zu arbeiten.

Wie kann man sich bei Musikvideos die Zusammenarbeit mit der Band vorstellen? Ist diese in Entscheidungsprozesse beim Dreh und im Schneideraum eingebunden?

FP: Naja, es kommt immer drauf an, wie tiefgehend die künstlerische Kollaboration ist. Ich glaub, der künstlerischen Kollaboration sind auch keine Grenzen gesetzt. Aber prinzipiell ist die Musik schon fertig und man selbst als Filmemacher jemand, der die musikalische Vision einer Band für sich interpretiert. Beim Zebrakatz Projekt war das schon eine sehr intensive Zusammenarbeit und auch ein Experiment. Zum einen habe ich die Musik und auch die Kunstfigur von Zebra Katz für mich vollkommen frei interpretiert und ich hatte bei der Erstellung des Drehbuchs völlig freie Hand. Aber im Schnittprozess hat mich Zebra Katz oft im Schnittkammerl besucht, oder ich war bei Leila und sie hat noch extra Teile der Musik für den Film komponiert und so weiter. Es war schon eine sehr tiefe Zusammenarbeit mit vielen, vielen grundlegenden Konversationen über Weltanschauung und über das Verständnis von performativer künstlerischer Arbeit. Die waren aber wichtig, damit am Ende etwas rauskommt, das uns alle repräsentiert und zu dem wir stehen können.

Florian Pochlatko (geb. 1986 in Graz) studierte zunächst Experimentelle Mediengestaltung an der Universität der bildenden Künste in Linz bevor er sein Studium in Regie an der Filmakademie Wien begann. Dort befindet er sich zur Zeit im Master, seit 2015 studiert er Critical Studies an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sein Bachelorfilm Erdbeerland gewann zahlreiche Preise, darunter der Diagonale Kurzfilmpreis und der Österreichische Filmpreis. Im Moment arbeitet er an seinem ersten Langfilm.