Wir heißen Kathrin Resetarits herzlich als Professorin für Drehbuch und Dramaturgie willkommen! Die langjährige Dozentin im Fachbereich tritt damit ab Oktober die Nachfolge von Götz Spielmann an.
Das Medium Film in seiner Eigenständigkeit ernst zu nehmen, ist für mich eine Grundlage der Arbeit am Drehbuch. Gerade in der intensiven Auseinandersetzung mit Texten passiert es, dass man den eigentlich magischen Moment des Filmemachens – die Verwandlung des Textes in audiovisuelles Material – buchstäblich aus den Augen verliert. Vom Fernsehkrimi bis zum Arthousefilm gewinnt filmisches Erzählen, wenn wir über die Illustration einer Geschichte hinausdenken und ein Werk aus Bildern und Tönen gestalten, das uns schon berührt, bevor wir es begrifflich erfassen. Diese Unmittelbarkeit der audiovisuellen Kommunikation ist für mich das Herz des Filmemachens
Über Kathrin Resetarits
Kathrin Resetarits ist Autorin, Dramaturgin, Regisseurin, Schauspielerin und Lehrende. Ihre Arbeit verbindet unterschiedliche künstlerische Disziplinen und Perspektiven auf das Erzählen: Sie schreibt Drehbücher und literarische Texte, entwickelt Filme gemeinsam mit international renommierten Regisseur:innen und beschäftigt sich in ihrer Lehre mit den ästhetischen und politischen Möglichkeiten filmischer Dramaturgie.
Von 1994 bis 2001 studierte sie Regie an der Filmakademie Wien. Bereits ihre frühen eigenen Filme erhielten internationale Auszeichnungen. Für den Essayfilm „Ägypten“ wurde sie unter anderem mit dem Preis für innovatives Kino der Diagonale ausgezeichnet. „fremde“ erhielt den Hauptpreis des internationalen Wettbewerbs der Kurzfilmtage Oberhausen; weitere Auszeichnungen ihrer Regiearbeiten folgten etwa bei der Viennale und internationalen Festivals.
Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet Resetarits mit Michael Haneke. Seit 2000 war sie als künstlerische Beraterin und Assistentin an Filmen wie „Die Klavierspielerin“, „Caché“, „Das weiße Band“, „Amour“ und „Happy End“ beteiligt. Zu ihren dramaturgischen Arbeiten zählen „Quo Vadis, Aida?“ von Jasmila Žbanić, „Western“ von Valeska Grisebach und „Michael“ von Markus Schleinzer, bei dem sie auch die Co-Regie übernahm. Diese Filme liefen in den Wettbewerben von Venedig und Cannes beziehungsweise in der Cannes-Sektion Un Certain Regard.
Für Barbara Alberts Spielfilm „Licht“ über die blinde Pianistin Maria Theresia Paradis schrieb Resetarits das Drehbuch, für das sie mit dem Thomas-Pluch-Drehbuchpreis ausgezeichnet wurde. Der Film wurde unter anderem im Wettbewerb von San Sebastián und beim Toronto International Film Festival gezeigt. Gegenwärtig arbeitet sie mit Andres Veiel an dem Spielfilmprojekt „Die Verteidigung“.
Auch als Schauspielerin ist Resetarits international in Erscheinung getreten. Sie spielte unter anderem in Jörg Kalts „Crash Test Dummies“, Barbara Alberts „Böse Zellen“ und „Fallen“ sowie Katharina Mücksteins „L’animale“. 2006 wurde sie bei der Berlinale als österreichischer Shooting Star vorgestellt.
Seit 2011 lehrt Resetarits an der Filmakademie Wien. Gastlehre, Workshops und Vorträge führten sie unter anderem an die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, die Zürcher Hochschule der Künste, die Kunsthochschule für Medien Köln, das Williams College in Massachusetts und die Universität Basel. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf offenen Dramaturgien und thematisch gebundenem Erzählen. Sie untersucht, wie Erzählstrukturen unsere Wahrnehmung prägen, welche Lebensrealitäten sie sichtbar machen und welche sie ausblenden. Dabei gilt ihr besonderes Interesse der eigenständigen gedanklichen und emotionalen Reise der Zuschauer.
Über den Film hinaus arbeitet Resetarits seit 1999 als Co-Autorin und Regisseurin der Kabarettprogramme von Lukas Resetarits. Ihr Prosaband „Vögel sind zu Besuch“ erschien im Czernin Verlag; weitere literarische Texte veröffentlichte sie in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien. Zu ihren Publikationen über Film gehören „Helden von der Stange“ und ein Beitrag zur Viennale-Reihe TEXTUR über Terence Davies.
Resetarits war Mitglied der Projektkommission des Österreichischen Filminstituts und ist als Jurorin bei Filmfestivals und für Literatur- und Drehbuchpreise tätig. Als Gründungsmitglied von FC Gloria engagiert sie sich für feministische Vernetzung und die Stärkung von Frauen im Film. Sie lebt in Wien.
