Jetzt oder Morgen

© Carolina Steinbrecher

Über drei Jahre begleitete Lisa Weber ihre Protagonistin Claudia, die mit 15 ihren Sohn bekam und nun mit ihm bei ihrer Mutter und ihrem Bruder lebt. Die Kamera beobachtet Claudia hautnah beim Aufwachen und Zubettgehen, beim ritualisierten Zähneputzen, beim rauchend aufs Handy starren und beim sinnlos erscheinenden Bewerbungen schreiben, hat sie doch keinen Schulabschluss. „So viel Zeit und kein Leben“, bringt ihr Bruder es auf den Punkt. Den rein observierenden Charakter durchbricht Weber, indem sie ab und zu ins Bild tritt, Gegenstände arrangiert und Claudia tröstet, wenn sie traurig ist. Die große Sofalandschaft wirkt wie eine Insel, auf der sich offenbar alle für ihr überwiegend ereignisloses Leben eingerichtet haben. Was bleibt, wenn Arbeitslosigkeit und soziale Herkunft die Hoffnungen auf eine andere Zukunft verstellen? In der immer wieder aus dem Off erklingenden Ballade „When You Believe“ von Whitney Houston und Mariah Carey, finden diese Wünsche und Sehnsüchte ihren Ausdruck. Diese Momente sprechen von Liebe und Zusammenhalt, da, wo Perspektivlosigkeit vorzuherrschen scheint. Ein Film über das Vergehen der Zeit und über das, was passiert, wenn scheinbar nichts passiert. (Katalogtext Berlinale 2020)

 

Festivalteilnahmen (Auswahl)

• Berlinale, 2020 (Deutschland)
• Diagonale – Festival des österreichischen Films, 2020 (Österreich) – ABGESAGT
• First Steps Award – Nominierung „Bester Dokumentarfilm“, 2020 (Deutschland)
• Duisburger Filmwoche, 2020 (Deutschland)
• Viennale, 2020 (Österreich)